Gedanken zum Evangelium, Lukas 3,10-18, 12. Dezember 2021

Textgrundlage aus der kath. Einheitsübersetzung

Heute am dritten Advents­sonntag sind wir in der Mitte der Advents­zeit angelangt. Ich komme langsam aber sicher in eine vor-weihnachtliche Stimmung. Ja, ich sehne mich sogar nach all dem, was man so an Weihnachten erwartet: Gemein­schaft mit Freunden und der Familie, menschliche Nähe, gutes Essen, feierliche Stunden, Müßig­gang – das alles tagelang.

Ich habe auch schon viel dafür getan, um in Weihnachts­stimmung zu kommen. Habe Lebkuchen und anderes Back­werk gekauft und schon einen Advents­strauß geschmückt. Und wie sieht es bei Ihnen aus?
Ich nehme an, Sie sind auch schon mitten in den Vorberei­tungen auf das Weihnachts­fest. Und ich finde, da passt das heutige Evangelium so gar nicht rein, ganz und gar nicht!

Es geht los mit der Bemerkung „In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun?“
Um das zu verstehen muss man wissen, unser heutiges Evangelium ist m.o.w. die Fort­setzung dessen, was wir am vergangenen Sonntag gehört haben. Da haben wir Einiges über Johannes den Täufer gehört. Vielleicht haben Sie noch die Worte im Ohr, die da lauten:
„Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Und zum Abschluss hörten wir: „Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“

Hier werde ich hellhörig, es geht um das Heil, das von GOTT kommt. Und dann fragen die Leute, was sie denn tun sollen?

Ich finde das sehr verständlich, denn - Straßen ebnen, Schluchten auffüllen, Berge und Hügel absenken - das alles klingt nach einer gewaltigen Anstrengung, die man eigentlich nicht schaffen kann. Nun gut, es ist nur ein Bild, ein Bild dafür, das sich im Großen alles ändern soll. Aber den Menschen damals ging es wie uns heute: das große Ganze können wir nicht ändern! Nicht im Bereich der großen Politik. Und ebenso wenig beim Thema Corona.

Aber im Kleinen, dort wo jeder Mensch einen kleinen Spiel­raum spürt, dort kann jeder etwas ändern!
Und so gibt Johannes ganz praktische Anleitungen: „Wer zwei Gewänder hat“, soll eines davon einem Armen geben. Einfach gesagt, fordert er zum Teilen auf.
Danach kommen noch zwei Beispiele, es geht um zwei damals typische Berufe: Zöllner und Soldaten. Beide Gruppen sollen ihre Macht nicht dazu missbrauchen, um sich zu bereichern.

Das ist alles bislang nichts Spannendes oder Überraschendes. Das wird sich in den kommenden Versen ändern, denn wir lesen: „Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.“
Und da hören wir zum ersten Mal in diesem Kapitel das Wort Messias.

Und was ich noch viel interessanter finde: „Das Volk war voll Erwartung.“ Ich frage jetzt mal: Worauf wartet heute das Volk? Wir leben heute ja nicht unter der Knute der Römer.
Was denken Sie? Ich denke, das Volk hofft auf das Ende der Corona-Pandemie.
Ja, wir leben in der Hoffnung, dass endlich diese Corona-Pandemie zuende geht.

Aber leben wir auch in der Hoffnung, dass etwas Neues beginnt, etwas Besseres kommt? Der Befreier? Der Messias? Das Heil Gottes? Hoffen wir heute noch auf den Messias?

Wir heute sind doch eher abgeklärt; und so schlecht geht es den meisten von uns ja gar nicht. Wir brauchen keinen Messias, zumindest nicht so bald.

Apropos Messias: Woran denken wir, wenn wir das Wort „Messias“ hören? Woran denken Sie da? Mir selbst geht es so, dass ich beim Wort „Messias“ immer sofort an das Ende der Welt denke. Und irgendwie ist mir das unheimlich.

Und dann fällt mir ein, dass wir Christen ja Jesus Christus als Messias ansehen.
Aber wie passt das zusammen: Jesus als Messias und das Ende der Welt?
Jesus lebte vor etwa Zweitausend Jahren aber die Welt ist immer noch nicht unter­gegangen!

Darüber haben bereits die ersten Christen nachgedacht. Die frühen Christen lebten noch in der Erwartung, dass Jesus Christus als Messias bald zurück­kommen werde; zurück vom Vater auf die Erde, und dass dann das end­zeitliche Reich anbrechen werde, also das Ende der Welt.
Und man wartete und wartete, und wartet eigentlich bis heute.

Mittlerweile haben sich die meisten Christen daran gewöhnt und das Warten eigentlich aufgegeben. Und dennoch, liebe Schwestern und Brüder, ist etwas von dieser Erwartung geblieben.
Im Weihnachts­evangelium rufen die Engel: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede.“ Dieser Friede im Kleinen wie im Großen ist immer noch meine Hoffnung und vielleicht auch Ihre Hoffnung.

Zurück zum heutigen Evangelium. Wir waren bei der Frage des Volkes, ob Johannes vielleicht der Messias sei. Der streitet das ab und verweist auf einen, der stärker sei als er. Das mit der Taufe lasse ich jetzt mal weg, denn was danach kommt, lässt mich aufhorchen. Da, wo es heißt, der Messias wird die Spreu vom Weizen trennen, den Weizen in die Scheune, die Spreu aber soll brennen!

Das spricht mich direkt an, und ich frage mich, ob ich zum Weizen gehöre, oder zur Spreu?
Und da möchte ich dem Johannes zurufen: Weder, noch, oder anders gesagt: sowohl, als auch!

Lieber Johannes, möchte ich ihm zurufen: Deine Sicht­weise mit der klaren Unter­scheidung nach entweder / oder passt nicht auf mich. Sie passt auf keinen Menschen, damals nicht und heute nicht!
Aber das konntest Du, Johannes nicht sehen! In deiner Welt gab es nur Schwarz oder Weiß und kein Dazwischen!

Deshalb, lieber Johannes, bin ich froh, dass Du nicht der Messias bist! Denn ich hoffe auf einen anderen Messias! Ich hoffe auf einen, der jeden Menschen annimmt, so wie er ist, und ihm den Weg ins Reich Gottes zeigt. Ich hoffe auf einen Messias, von dem es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, … damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augen­licht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnaden­jahr des Herrn ausrufe!“

Und ja, es gab so einen Menschen, denn diese Worte (des Propheten Jesaja) liest Jesus in der Synagoge zu Kafarnaum vor, und sagt danach: „Heute hat sich das Schrift­wort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Am 3. Sonntag im Jahres­kreis werden wir das im Evangelium hören, das wäre am 23. Januar 2022. Und noch viel mehr möchte ich über diesen Messias kennenlernen! Ich möchte herausfinden, wie dieser Messias, unser Jesus, die Menschen angesprochen hat, gerade die, die Johannes der Täufer als „Spreu“ bezeichnet.

Ich freue mich darauf, nach Weih­nachten an jedem Sonntag etwas über diesen Jesus-Messias zu erfahren!
Und auf Weih­nachten freue ich mich natürlich auch.
Amen.